Anamnese

Im Akutfall ist die Anamnese (=Fallaufnahme) kurz. Man versucht herauszufinden, was passiert ist und welche Symptome der Patient im Moment hat. Wurde das richtige Mittel gewählt, kann man eine Reaktion innerhalb kürzester Zeit erkennen. (Je nach Fall sogar in Sekunden oder Minuten)

Bei chronischen Krankheiten braucht es eine konstitutionelle Behandlung. Da dauert das Erstgespräch ca. 1-2 Stunden, bei Kindern in der Regel eher kürzer.

Eine gründliche und ausführliche Fallaufnahme ist erforderlich, um das ähnlichste und daher optimale Mittel zu finden. Dabei ist sowohl die gegenwärtige und vergangene Geschichte des Patienten, als auch die seiner Familie wichtig. Ebenfalls von großer Bedeutung sind der Charakter des Patienten (z.B.: harmoniebedürftig, introvertiert, reserviert, misstrauisch, aufbrausend, ausgelassen, eifersüchtig...), seine Vorlieben/Abneigungen, sowie auch die Umstände unter welchen sich seine Leiden bessern oder verschlimmern. Ausschlag gebend ist die Art und Weise, wie der betreffende Patient seine Krankheit individuell zum Ausdruck bringt.

Es geht darum als Homöopathin ein möglichst vollständiges Bild von dieser Person mit ihren Schwierigkeiten zu bekommen. Es ist wie ein Puzzle; Gewisse Informationen sagen viel über ein Bild aus, andere weniger. Etwas was 90% von allen Leuten haben, also „normal" ist, sagt weniger aus, als die speziellen Merkmale. Oft sind es die Dinge, die der Patient nicht sofort sagt, weil er das Gefühl hat, diese seien nicht so wichtig oder die ihm vielleicht auch peinlich sind, die aufschlussreich für die Mittelwahl sind. Die genaue Beobachtung der individuellen Symptome des Patienten ist eine wichtige Voraussetzung für die homöopathische Behandlung. Die Frage ist nicht, ob „gut oder schlecht", sondern „wie ist es"?